«Wer regional einkauft, kann nur gewinnen»

Regionales auf dem Teller: WB-Leserinnen und WB-Leser verraten, wo sie ihre Einkäufe erledigen. Ob Metzgerei, Käserei oder Hofläden, fest steht: das
Angebot ist vielfältig, die Geschäfte innovativ. 

Ruth Jordi bedient Markus Bucheli an der Theke der Kloster-Metzgerei Haas, St. Urban. Foto Chantal Bossard

Luzia Koch, 55, Familienfrau und Pflegefachfrau, Grosswangen
«Kaufe ich mal einen Salatkopf beim Grossverteiler, habe ich fast ein schlechtes Gewissen. Denn ich weiss: Grosswangen hat so viele geniale Hofläden! Ich bin dankbar für die immense Arbeit, welche unsere Bauersleute Tag für Tag leisten - deshalb kaufe ich fast ausschliesslich direkt bei ihnen ein. Knapp alle zwei Wochen mache ich eine grosse Einkaufstour quer durch unser Dorf. Ich besorgte Öl, Mehl, Most und Sirup beim Schulerhof, Gemüse bei den Wiederkehrs, Härdöpfu beim Juli Wüest, Äpfel und ebenfalls Most bei Urs Meyer, Pasta bei Vilma Fischer und Fleisch bei Sepp Meier. Dinge für den täglichen Gebrauch liefert das Geschäft «Brot & Co». Und von dort aus mache ich noch einen Abstecher in den Laden meiner Schwiegertochter «Blumissimo». Das Brot beziehe ich von den Grosswanger Bäckereien Krummenacher oder «Pfenniger Beck». Letzterer liefert uns auch regelmässig Getränke. Ebenfalls zur Tür geliefert wird Woche für Woche ein Gemüse-Paket von der Grosswanger Bäuerin Sandra Streiff, die solche «Gemüse-Abos» anbietet. Zwiebeln, Lauch und Salat: Auch der eigene Garten versorgt meine Familie mit Gemüse, unsere Hühner liefern die Eier. Ich könnte gar noch mehr anbauen, jedoch setze ich seit längerer Zeit bewusst vermehrt auf Blumen – denn schliesslich ist das Angebot in unserer Gemeinde riesig und vielfältig genug. Gewisse Sachen kaufe ich zwar beim Grossverteiler, doch ansonsten will ich möglichst viel vor Ort einkaufen. Ich finde, man sollte diese Läden unterstützen und Sorge zu ihnen tragen, damit sie weiterhin existieren können. Ob bei der Ferienplanung oder beim Einkauf, mein Credo lautet: Das Gute liegt so nah. Wieso also in die Ferne schweifen, wenn es so viel Tolles direkt vor der Haustür gibt?»

Markus Bucheli, 69, Präsident Seniorenverein, St. Urban
«Ein gespickter Rindsbraten am Wochenende, ein gut gewürzter Hackbraten unter der Woche, Fondue Chinoise an den Festtagen, Steaks für auf den Grill an Sommerabenden: Gegen ein gutes Stück Fleisch habe ich definitiv nichts. Besonders geniesse ich die Fleischwaren von unserer Metzgerei im Dorf, der Kloster-Metzgerei Haas. Das ist Qualitätsware! Da weiss man auch: Die Transportwege sind kurz, denn die Tiere kommen von den umliegenden Höfen. Sie wurden gut gehalten, tierfreundlich geschlachtet und mit viel Sorgfalt verarbeitet. Zwei- bis dreimal die Woche gehe ich in der Metzgerei Haas einkaufen, manchmal auch gleich für meine Schwester, welche in der Wohnung unter mir wohnt. Entweder bin ich zu Fuss oder mit dem Fahrrad unterwegs – so kann ich die Einkaufstour mit etwas Bewegung verbinden. Im Metzg-Laden kennt man mich, ich werde immer kompetent und freundlich beraten. Als das Coronavirus im vorletzten Frühjahr einen ersten Höhepunkt erreichte, habe ich mit Daniel Käser, dem Inhaber und Geschäftsleiter der Kloster-Metzgerei Haas, telefoniert. Als Präsident des ortsansässigen Seniorenvereins wollte ich wissen, ob vielleicht ein Hauslieferdienst der Metzgerei möglich wäre. Und siehe da: Drei Tage später hat er einen solchen organisiert. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig unsere Geschäfte im Dorf sind. Denn ist man einmal nicht mehr so mobil, sind solche Anlaufstellen im eigenen Dorf wichtig. Auch um soziale Kontakte aufrechtzuhalten. Wie oft wurde ich schon beim Einkauf in der Metzgerei Haas oder der Klosterbäckerei St. Urban in ein interessantes Gespräch verwickelt. Das will ich nicht missen. Genauso wenig wie ein feiner Rindsbraten.»

Helen Tschopp, 63, pensionierte Kauffrau, Willisau
«Frische Waren, bekannte Gesichter und herzliche Gespräche: Der Buuremärt in Willisau trumpft mit einer schönen «Märit»-Atmosphäre auf. Wenn es irgendwie geht, bin ich während der Marktsaison Samstag für Samstag im Städtli anzutreffen. Im Einkaufskorb landen sicher Früchte sowie der feine Most der Familie Grüter von der Gulp und Backwaren der Bäuerinnen – die Birnenwegge von Alice Niederberger hat es meinem Mann besonders angetan. Ich schätze den direkten Austausch mit den Marktfahrerinnen und Marktfahrern sehr. Und unter den Besucherinnen und Besuchern hat es immer bekannte Gesichter, die für einen Schwatz zu haben sind. Vom Trubel erhole ich mich dann jeweils bei einem Kaffee im Gasthaus Sonne. All das hat mir richtig gefehlt, als die Pandemie eine Durchführung des Markts verhinderte – man merkt manchmal erst wie wichtig einem etwas ist, wenn es nicht mehr da ist. Umso mehr geniesse ich nun wieder die Samstagvormittage im Städtli. In dieses führt mein Weg übrigens nicht nur an Markt-Tagen: Tag für Tag stehe ich vor der Theke der Bäckerei Schwegler. Diese macht einfach gutes und «chöschtiges» Brot. Bringe ich Bekannten und Verwandten ein Geschenk von Willisau mit, ist aber nur etwas gefragt: die legendären Willisauer Ringli.»

Karin Zemp, 43, Kauffrau und Familienfrau, Luthern
«In der Napf-Chäsi Luthern gehe ich wöchentlich einkaufen. In unserer vierköpfigen Familie trinken wir viel Frischmilch. Auch Käse wie Napf-Bergkäse mild, Napf-Gold, Napf-Träumli oder der Ananas-Ziger sind bei uns beliebt. Auch sauren Halbrahm, Chäsi-Anke oder Margerquark benutze ich oft in unserer Küche. Wir schätzen die regionalen Produkte, da wir wissen, dass diese Milchprodukte von den umliegenden Bauernhöfen stammen. Das vielseitige Sortiment unserer Chäsi besteht hauptsächlich aus lokalen und regionalen Produkten. Die Nachhaltigkeit und die kurzen Transportwege liegen uns am Herzen. Wir schätzen auch das Angebot der saisonalen Produkte wie etwa Spargeln, Erdbeeren, Trauben oder Baumnüsse. Und: Die individuellen Geschenkkörbe kommen bei den Beschenkten immer gut an. Ja, es ist wirklich eine Wertschöpfung für unser Dorf, eine so innovative Chäsi zu haben. Für unseren Wocheneinkauf fahren wir zwar zu einem Detailhändler in der Region. Dort kaufen wir vorzugsweise Angebote aus biologischem Anbau oder aus der Region. Doch ansonsten unterstützen wir das lokale Gewerbe. Dies spart zudem Zeit, schenkt kurze Begegnungen und hilft dem einheimischen Gewerbe.»

Olivia Schwierczinski, 39, ­Wirtin Gasthaus Kreuz, Hergiswil
«Herbstzeit ist Wildzeit bei uns im ‹Gasthaus Kreuz› mitten in Hergiswil. Wie auch unser reguläres Fleischangebot beziehen wir diese saisonale Spezialität aus der Region. Bei uns auf den Tellern landet jenes Wild, welches wir über die ‹Genossenschaft zum Kreuz› von einheimischen Jägern erwerben können. Mit der Metzgerei Wiprächtiger haben wir das Fachgeschäft für sonstige Fleischwaren ebenfalls direkt im Dorf. Ein weiterer Trumpf aus der Region: die Dorf-Chäsi, bei der wir den Käse einkaufen. Mehl, Zucker, Salz: Dies bekommen wir in der Spar-Filiale nebenan. So oder so – wo immer möglich möchten wir als kleiner Betrieb andere regionale Unternehmen unterstützen. So kann das von uns geschätzte Miteinander im Dorf entstehen und zum gegenseitigen Austausch beitragen. Der Bezug von Lebensmitteln aus der Region bringt für uns als Gasthaus verschiedene Vorteile mit sich: Einerseits kann die Frische und andererseits die Saisonalität gewährleistet werden. Die Möglichkeit kleinere Mengen einzukaufen und bei Bedarf Nachbestellungen zu machen, hilft uns zudem dabei gegen Food Waste vorzugehen. Wer regional einkauft, kann nur gewinnen.»

von Chantal Bossard und Jasmin Arnold

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